Er gilt als König der Alpen und seine Bejagung als Höhepunkt im Leben der Weidmänner und -frauen. Die Rede ist vom Steinbock. Höhepunkt wegen seiner Erhabenheit aber vor allem auch, weil die Jagd nur alle paar Jahre möglich ist. Die erste Möglichkeit ergibt sich nachdem die Jägerin oder der Jäger zuvor mindestens fünfmal ein Patent für die Hochjagd gelöst hat, danach ist man in Zehnjahres-Schritten wieder an der Reihe.
Steinböcke seien nicht schwieriger zu jagen, als das übrige Wild, sagt Eugen Jenal, Wildhüter in Samnaun. Die Schwierigkeit bestünde eher darin, den richtigen zu erwischen. Denn nicht nur der zeitliche Abstand der Jagdmöglichkeiten ist vorgegeben, sondern auch das Alter der Böcke. Und bevor das Augenmerk dem Bock gelten kann, muss, ebenfalls aus Regulierungsgründen, eine Steingeiss, also das Weibchen erlegt werden. Diese darf nicht jünger als anderthalb Jahre sein und nicht «führend», heisst nicht mit eigenen Jungtieren unterwegs. Tragend sind sie zur Zeit der Jagd aus biologischen Gründen nicht.
Strenge Regeln
Hat es schliesslich geklappt mit der Geiss, ist der Bock an der Reihe. Jungjagende im Alter zwischen 25 bis 29 Jahren auf ihrer ersten Steinbockjagd dürfen ein- oder zweijährige Böcke schiessen. Für die 30- bis 40-jährigen Jäger sind bis zu dreijährige Böcke frei, ab 45 bis 54 warten die vier- bis fünfjährigen und dann endlich, im fortgeschrittenen Alter von über 55 gibt’s die sechs- bis zehnjährigen Böcke und im besten Falle gar die über elfjährigen.
Und all diese Angaben sind keine Empfehlungen, sondern Vorschriften. Erwischt man den falschen Bock, kann dies eine Busse und die Abgabe der Trophäe also des Schädels inklusive Hörner zur Folge haben. Umso wichtiger also, dass das Alter zweifelsfrei bestimmt werden kann, respektive der Steinbock korrekt «angesprochen» wird, wie es in der Jägersprache heisst.
Dies geschieht mittels der Hörner, denn dort bilden sich im Normalfall für jedes Lebensjahr zwei Knoten, wie Jenal erklärt. Allerdings könne es auch mal nur einer sein oder deren drei, geht also eher in den Bereich «qualifizierte Schätzung». Zweifelsfrei ermitteln könne man das Alter nur mit Hilfe der Jahrringe in den Hörnern, sagt Jenal. Diese könne man mittels Fernrohr ablesen, sofern sich das Ziel in Schussdistanz befinde. Ist dies der Fall und landen Jägerinnen oder Jäger einen Blattschuss, lohne sich dies nicht nur wegen der Trophäe, sondern auch wegen des Wildbrets, also des Fleisches des Bocks. Eine eigentliche Spezialität sei dies, weiss Jenal, auch weil nicht so viele der imposanten Tiere geschossen würden. In der Kolonie Sesvenna/Terza sind das rund 44 Stück pro Jagd und in der Kolonie Flüela 144 Stück.